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Das Staatsschloss Kratochvíle 

Nationalkulturdenkmal

 Geschichte

An der Stelle des heutigen Schlosses stand ursprünglich ein Wirtchaftshof namens Leptáč, den im Jahre 1569 Vilém von Rožmberk dem Verwalter des dortigen Dominiums und bekannten Erbauer der südbömischen Teiche Jakub Krčín  von Jelčany widmete. Krčín errichtete dort einen neuen Hof, um den herum er ein ausgedehntes Jagdgehege anlegen Pohled ze zahradyließ. Der derart anmutig gelegene Hof gefiel dem Beherrscher von Rožmberk dermaßen, daß er ihn im Jahre 1579 mit Krčín gegen das Städtchen Sedlčany samt zehn Dörfern eintauschte. Im Jahre 1583 betraute Vilém von Rožmberk den italienischen Baumeister Baldassare Maggi aus Arogno, für ihn nach dem Vorbild italienischer Villen in der Nachbarschaft von Leptáč ein neues Jagdschloß zu erbauen.

Der erfahrene Baumeister bewies beim Projekt und Bau des Jagdschlosses seine. Fähigkeit zur Bewältigung einer Aufgabe, die einem Architekten des Cinquecento in Mitteleuropa nur ausnahmsweise aufgegeben wurde: es galt, das ganzeregelmäßige Areal zu projektieren ond einheitlich zu konzipieren und den Bau in den nach Manier der italienischen Renaissance komponierten Garten einzubeziehen. Maggi bestaltete das Areal als großes Rechteck mit einer auf drei Seiten von isolierten Häusern durchbrochenen Einfriedungsmauer. Er situierte die Villa nich in der Mitte der Disposition, sondern verschob sie in den Vorderteil des Gartens, senkrecht zu der durch den Einganksturm hervorgehobenen Hauptachse. Den Eingangstrakt im Erdgeschoß schloß er auf der westlichen Seite durch ein Gartenhäuschen und auf der östlichen Seite durch eine nicht allzu große Kirche ab. In diesen Grundriß bezog er im symmetrischen Rechteck einen selbständig eingefriedeten Wassergraben ein.

Direkte Vorbilder für dieses Lustschlößchen der Rožmberks lassen sich nur schwerlich aufspüren. Nach der .Anordnung des Erdgeschoßes des Wohngebäudes zu schließen, suchte Maggi eine Annäherung an eines der Villenprojekte des Francesco di Giorgio Martini, und ähnlich ist auch die Disposition der bekannten römischen Villa Farnesiny von B. Peruzzi aus den jahren 1505 - 1511.

Die schwierigen Terrainbedingungen, die vor allem durch die sumpfige Bodenbeschaffenheit gegeben waren, erforderten eine Verfestigung der Fundamente durch Erlenpiloten, die,im Schlamm luftdicht abgeschlossen, versteinerten und so ein wichtiges statisches Element des ganzen Bauwerkes bildeten.

Der derart aufwendige Bau des ganzen Areals wurde in der bewundernswert kurzen Zeit von sechs Jahren (1583 - 1589) einschließlich der weitläufigen Maler- und Stuckverzierung abgeschlossen, mit der der Maler Georg Widman und der italienische Stukkateur Antonio Melana betraut wurden.

Im Wohngebäude fiel im Erdgschoß die Hauptaufgabe dem Maler Georg Widman zu, der an den Wölbungen. des großen Eingengssales Jagdsze und Tiere aus den Holzschnitten des Jost Amman und Jäger aus der Figurenserie des Hendrick Goltzius ausführte. Es gab dafür zwei wichtige Vorlagen, die damals vielbegehrten und beliebten, in den Jahren 1569 - 1617 erschienenen Werke Thierbuch und Jagdbuch des Malers Johann Bocksberger und des Stechers Jost Amman. Im Stockwerk ist die Ausschmückung ideenreicher. Widman malte das Mittelfeld der Wölbung des Arbeitsraumes Viléms von Rožmberk mit der Darstellung der alttestamentarischen Legende von Samson und Dalila nach einem auf Grund von Zeichnungen des Jodok A Winghe aus dem Jahre 1589 gravierten Kupferstich des anerkannten Stechers der Rudolfinischen Epoche Rafael Sadeler. Die vier weiteren Bilder des Samson - Zyklus wurden jedoch später von einem Mitarbeiter Widmans  geschaffen und als Vorlage dienten wiederum die Illustrationen J. Boskbergers und J. Ammans. Von Widman stammen jedoch die Figuren beim Fenster; sie veranschaulichen eine Lautenspielerin, Juno mit einem Pfau und die Göttin der Weisheit und des siegreichen Krieges Pallas Athene. Die weiteren Räume schmückte Widman in Form einer Groteske aus, in die einfühlend Tier- und Pflanzenmotive, Fische und Krabse als Anklang an die für die südböhmische Landschaft so typischen Teiche einbezogen sind.

 Antonio Melana übernahm die Stuckverzierung der Villa und der Marienkirche. Er gehörte jener Gruppe. italienischer Meister an, die 16. Jahrhundert für die Herren von Hradec und Rožmberk arbeiteten. Er war ein hervorragender Dekorateur mit Sinn fürs Detail. Bei seiner Arbeit an der Verzierung der Wohnzimmer des Slosses gestaltete er die Renaissancegraghiken zu antikisierenden plastischen Szenen um, die nicht allzu sehr hinter den hervorragenden Stuckverzierungen des etwa drei Jahrezehnte älteren Lustschlosses Hvězda (Stern) zurückstehen. Die tragende Idee des Programms bilden hier die durch allegorische Gestalten sogar in zwei Serien repräsentierte Tugenden – im Weißen Gemach sind es die kardinalen und theologischen, im Goldenen Gemach die kardinalen Tugenden. Sie sind hier in der Mitte des Gewölbes zwischen den Wappen der vier Gemahlinnen Viléms von Rožmberk um die Zentralfigur eines Reiters angeordnet. Das Goldene Gemach ist der prunkvollste und aufwendigste Raum des Schlosses. Es diente nicht nur als Empfangsraum der Gäste, sondern mit Rücksicht auf seine ausgezeichneten akustischen Eigenschaften auch zur Veranstaltung musikalischer Produktion. Die Maleraumsschmückung beschränkt sich hier nur auf die gemalte brokatimitierende Tapete, auf die Verzierung der Türleibungen und der Fensternischen. Die Figuralstucke des Antonio Melana beherrschen völlig den Raum. Die Abfolge der Szenen aus der römischen Geschichte ist micht chronologisch geordnet, die Bilder sind vielmehr so aeinandergereiht, um die gewölbefelder geeignet auszufüllen. Die Stuckverzierung der Decke und der Wände des Goldenen Gemachs war polychromiert und zum Großteil vergoldet. Der Gast sollte beim Betreten vom Reichtum, Kunstsinn und Geschmack des Eigentümers, von seiner Macht und gesellschaftlichen Stellung beeindruckt werden. In der Ausschmückung und architektonischen Gestaltung ist dieser Saal in unserem Bauwesen der Renaissance tatsächlich ein Unikum.

.Die der J. Maria geweihte Schlosskapelle ist einer der wenigen sakralen Bauten aus der Epoche der Spätrenaissance auf dem Territorium Böhmens. Ihre Disposition ist zurückhaltend, dafür ist das Interieur reich gegliedert und die liturgische Bedeutung des Chors wird sogar durch die feierliche Form unterstrichen. Die Gewölbe der Kapelle sind reich verziert. Im sakralen Raum gesellt sich zu der nüchternen Stuckdekoration ein episch gemalter Passionszyklus nach graphischen Blättern Albrecht Dürers und nach Zeichnungen von Marten de Vos in der graphischen Transkription durch Antonie Wiericx.
Renaissancekleinod im sumfischen Gelände zwischen den Teichen des Beckens von Netolice, architektonischer Traum eines romatischen italienischen Baumeisters, der in fremden Diensten seiner fernen Heimat gedenkt. Böhmische Landschaft und norditalienisches Casino. Launiger Einfall eines Adeligen mit hinreißendem Ergebnis. Das ist Kratochvíle.
Das Schloss überdauerte Jahrhuderte his auf unsere Tage. Gemütsvoller Ruhepunkt im Trubel des Lebens. Gelegenheit zu Meditationen über den Zeitenablauf. Angebot zum Ausruhen und zu seelischer Entspannung. Nehmen wir diese Aufforderung an und versenken wir uns in uralte Leidenschaften, längst vergangene Ereignisse, denn ihr Verständnis fördert auch unser Selbsterlebnis.